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Griechenland · alle Gestalten

Prometheus

Προμηθεύς · Promētheús, „der Vorausdenkende"

Der Titan, der die Götter beim Opfer betrog, den Menschen das Feuer brachte und dafür an den Felsen geschmiedet wurde — bei Hesiod ein Betrüger, bei Aischylos der Wohltäter der Menschheit.

Prometheus, gefesselt, mit dem Adler — Marmor von Nicolas-Sébastien Adam, 1762, Louvre
Prometheus, gefesselt, mit dem Adler — Marmor von Nicolas-Sébastien Adam, 1762, LouvreNo machine-readable author provided. Atoma assumed (based on copyright claims). · Public domain · Wikimedia Commons

Es gibt zwei Prometheus, und sie stehen zweihundert Jahre auseinander. Der eine ist Hesiods: ein Titan, der Zeus zweimal überlistet und dafür bestraft wird, und dessen Geschenke den Menschen mehr Übel bringen als Gutes. Der andere ist der der Tragödie: der Wohltäter, der für die Menschen leidet. Beide sind griechisch. Der zweite hat gewonnen.

Der Betrüger

Bei Hesiod beginnt es in Mekone, wo Götter und Menschen sich trennen. Prometheus teilt einen Stier: das Fleisch in die Haut gehüllt, die Knochen unter glänzendes Fett. Zeus wählt das Fett — Hesiod besteht darauf, er habe den Betrug durchschaut und ihn zugelassen, um einen Grund zu haben —, und seither bekommen die Götter die Knochen (Theogonie 535–557). Zur Strafe hält Zeus das Feuer zurück; Prometheus stiehlt es „in einem hohlen Fenchelstängel” (561–569). Zur zweiten Strafe lässt Zeus die erste Frau formen (570–590), und Prometheus selbst wird an eine Säule gefesselt, wo ein Adler ihm täglich die Leber frisst, die nachts nachwächst — bis Herakles den Adler erschiesst, was Zeus zulässt, damit der Sohn Ruhm gewinnt (521–534). In den Werken und Tagen warnt Prometheus seinen Bruder Epimetheus, kein Geschenk von Zeus anzunehmen; Epimetheus nimmt Pandora (42–105).

Hesiods Prometheus ist nicht der Freund der Menschen. Er ist der Grund, warum sie arbeiten müssen und warum es Frauen gibt — und der Dichter sagt beides ohne Bedauern. „So ist es nicht möglich, den Sinn des Zeus zu täuschen oder zu umgehen” (613): Das ist die Moral, und sie ist auf Seiten des Zeus.

Der Wohltäter

Der Gefesselte Prometheus dreht das um, indem er den Gefesselten reden lässt. Kratos und Bia, Macht und Gewalt, schmieden ihn an den Felsen am Rand der Welt, und Hephaistos, der es tun muss, tut es mit Widerwillen (1–87). Dann zählt Prometheus dem Chor auf, was er den Menschen gegeben hat — und es ist nicht nur das Feuer: Sie hätten gesehen und nichts gesehen, gehört und nichts gehört, wie Traumgestalten gelebt; er habe ihnen die Sterne gezeigt, die Zahl, die Schrift, „die Mutter aller Künste”, die Zähmung der Tiere, das Schiff, die Heilmittel, die Deutung der Zeichen, das Erz unter der Erde. „Alle Künste haben die Sterblichen von Prometheus” (436–506). Und er weiss ein Geheimnis, das Zeus stürzen kann, und verrät es nicht. Am Ende versinkt er mit dem Felsen im Erdbeben, unter dem Ruf, man möge sehen, wie er Unrecht leide (1080–1093).

Das ist keine Fortsetzung Hesiods, sondern ein Widerspruch. Derselbe Diebstahl, dieselbe Fesselung — aber der Dieb ist der Held, und Zeus ist der Tyrann. Die Griechen haben beide Fassungen aufbewahrt und nie entschieden; die Tragödie wurde aufgeführt, die Theogonie wurde gelesen.

Der Vorausdenkende

Sein Name heisst „der vorher denkt”, der seines Bruders „der nachher denkt”. Die beiden Namen sind ein Programm: Klugheit, die vorausgeht, und Dummheit, die hinterherkommt, und die Menschen sind die Kinder beider. Prometheus ist in dieser Fläche der einzige, der keine Verwandtschaft im Sinn der Götter hat und trotzdem eine Seite: Er ist kein Gott, der verehrt wurde, sondern eine Figur, an der die Griechen sich die Frage stellten, ob es gut war, dass es sie gibt. Hesiod sagt nein. Aischylos sagt ja. Europa hat Aischylos geglaubt — und Wikidata führt ihn nicht unter den Göttern, worin es Hesiod näher steht.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Iapetos
Mutter
Klymene
Partner (4)
Axiothëa · Kelaino · Klymene · Pronoia
Kinder (6, davon 1 im Register)
Aidos · Chimaireus · Deukalion · Hellen · Lykos · Thebe

Was den Namen weiterträgt

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q83160.