
Ägypten heisst nach ihm. Der Tempel des Ptah in Memphis hiess Hut-ka-Ptah, „Haus des Ka des Ptah”; die Griechen machten daraus Aigyptos, und so kam der Name auf das ganze Land. Der Gott selbst steht in einer engen Hülle wie eine Mumie, mit einer Kappe auf dem kahlen Kopf, die Hände frei vor der Brust, in ihnen das Zepter. Er sieht aus, als bewege er sich nicht — und die Theologie, die man über ihn geschrieben hat, sagt genau das: Er muss sich nicht bewegen.
Herz und Zunge
Auf dem Schabaka-Stein, den ein König der 25. Dynastie um 700 v. Chr. von einem „wurmzerfressenen” alten Papyrus abschreiben liess — so behauptet die Einleitung —, steht die Schöpfungslehre von Memphis. Sie antwortet auf die von Heliopolis, und zwar bewusst: Atum, sagt der Stein, habe die Neunheit aus sich hervorgebracht, gewiss; aber Ptah sei älter, und Atum sei nur sein Werkzeug. Ptah erschafft durch das Herz, das denkt, und die Zunge, die ausspricht; die Neunheit des Atum sind seine Zähne und Lippen. Alles, was ist, ist zuerst gedacht und dann benannt worden — die Götter, die Städte, die Speisen, das Recht. Es ist die einzige ägyptische Schöpfungslehre, in der nichts gezeugt, gespuckt oder geweint wird. Die Welt entsteht als Wort.
Wie alt der Text ist, streitet die Forschung: Die Sprache wirkt alt, die Abschrift ist spät, und ein König, der einen Text als uralt ausgibt, hat einen Grund dazu. Aber dass in Memphis der Gedanke gedacht wurde, die Welt sei ein ausgesprochener Gedanke — zweitausend Jahre vor dem Johannesevangelium —, steht auf dem Stein.
Der Handwerker
Ptah ist zugleich der Gott derer, die mit den Händen schaffen: der Bildhauer, der Metallarbeiter, der Baumeister. Sein Hoherpriester in Memphis trug den Titel „Grösster der Leiter der Handwerker”. Die Griechen erkannten darin ihren Hephaistos, und Herodot nennt Memphis’ grössten Tempel deshalb den des Hephaistos: Min, der erste König, habe die Stadt auf dem trockengelegten Land gegründet und den Tempel gebaut (Historien 2,99), und jeder König danach habe ein Tor, einen Hof, einen Koloss hinzugefügt (2,101; 2,153). Dass ein Schöpfergott mit einem Schmied gleichgesetzt wurde, ist griechisch gedacht — aber es trifft die memphitische Vorstellung besser, als es scheint: Ein Gott, der die Welt macht, ist ein Handwerker.
Der Apis
In Memphis lebte auch der Apis, der heilige Stier, den man an seinen Zeichen erkannte und der als lebendes Abbild des Ptah galt; starb er, wurde er wie ein König bestattet, und die Ptolemäer machten aus dem toten Apis und Osiris den Gott Serapis. So wanderte der Gott von Memphis nach Alexandria und von dort nach Rom — nicht als Ptah, sondern als Stier. Wikidata führt die Gleichsetzungen unten.