sagenwelt

Mesopotamien · alle Gestalten

Schamasch

𒀭𒌓 · Šamaš; sumerisch Utu

Die Sonne als Richter — der Gott, der alles sieht, weil er täglich über die ganze Welt geht, und der Hammurapi die Gesetze übergab.

Schamasch, sitzend, mit Strahlen aus den Schultern, übergibt Hammurapi Ring und Stab — Spitze der Gesetzesstele, um 1750 v. Chr., Louvre
Schamasch, sitzend, mit Strahlen aus den Schultern, übergibt Hammurapi Ring und Stab — Spitze der Gesetzesstele, um 1750 v. Chr., LouvreMbzt · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Die Sonne ist in Mesopotamien kein Schöpfer wie in Ägypten und kein Wagenlenker wie in Griechenland. Sie ist der Richter. Schamasch sieht alles, weil er jeden Tag über alles hinweggeht, und was er sieht, beurteilt er. Der Hymnus, den Ungnad aus Assurbanipals Bibliothek übersetzt, sagt es in der Sprache eines Amtes: „Erleuchter der Dunkelheit, Erheller des Himmels, Vernichter des Bösen droben und drunten … Die Völker der Lande allesamt überwachst du, die Geschöpfe des Königs und Fürsten Ea sind allzumal dir anvertraut. Die hauchbeseelten Wesen weidest du in gleicher Weise, du allein bist ihr Hüter droben und drunten … Hirt der unteren Welt, Hüter der oberen, Lenker und Licht der Welt bist du, Schamasch, allein!” (1921, S. 185).

Der Weg

„Du ziehst ständig einher über den Himmel, über die weite Erde gehst du täglich dahin, über Meer, Ozean, Berge, Erde, Himmel” — und nachts, das wissen die Babylonier so gut wie die Ägypter, durch die Unterwelt, „das untere Reich des Fürsten Kubu und der Anunnaki überwachst du” (S. 185–186). Er ist der einzige Gott, der beide Reiche sieht, und deshalb der einzige, der über beide urteilen kann. Im Gilgamesch-Epos ist er es, der dem Helden auf dem Weg zum Zedernwald hilft und die Winde schickt; im Sintflutbericht ist es Schamasch, der die Stunde bestimmt, an der der Sturm kommt.

Der Richter

Auf der Stele, die Hammurapis Gesetze trägt, sitzt er oben auf dem Thron, Strahlen aus den Schultern, und reicht dem König Ring und Stab — die Zeichen der Herrschaft, oder das Messwerkzeug, mit dem man Gerechtigkeit misst. Der König darunter steht mit erhobener Hand. Die Gesetze, sagt die Stele, hat der König aufgestellt, „damit der Starke den Schwachen nicht schädige”; die Vollmacht dazu kommt vom Sonnengott. Ein Richter, der nicht besticht und den niemand bestechen kann: Das war Schamasch, und das war die Rolle, die jedes babylonische Gericht mit seinem Namen für sich beanspruchte.

Seine Städte waren Sippar und Larsa, und sein Tempel hiess in beiden Ebabbar, „das weisse Haus”. Nebukadrezar liess ihn wieder aufbauen und bat den Gott in einem Prosagebet, das Ungnad übersetzt, um ein langes Leben und einen gerechten Spruch (S. 183). Die Sonne, die in Ägypten Re heisst und alles hervorgebracht hat, bringt in Babylon nichts hervor. Sie schaut zu, und sie richtet — was die Menschen dort für das Wichtigere hielten.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Nanna
Mutter
Ningal
Kinder
Sumugan

Ein weiterer Gleichsetzungs-Verweis in Wikidata führt auf etwas, das keine Gestalt der erhobenen Welten ist, und wird hier nicht gezeigt.

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q332188.