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Mesopotamien · alle Gestalten

Enlil

𒀭𒂗𒆤 · Enlil, „Herr Wind"; akkadisch Ellil

Der Herr des Windes und der Erde, der in Nippur die Schicksalstafeln hielt — der Gott, der die Sintflut beschloss, und dem die Babylonier die Krone abnahmen, um sie Marduk zu geben.

Enlil und Ninlil — Relief, Zeichnung nach dem Original
Enlil und Ninlil — Relief, Zeichnung nach dem OriginalPaul Bedson · Public domain · Wikimedia Commons

Bevor Marduk König war, war es Enlil. Sein Name heisst „Herr Wind”, und sein Reich war das zwischen Himmel und Erde — nicht der Himmel, der dem Anu gehört, und nicht das Wasser, das Ea hat, sondern das, worin die Menschen leben: der Wind, der Sturm, das Land. Seine Stadt war Nippur, und Nippur war nie eine Hauptstadt und trotzdem das religiöse Zentrum Sumers, weil dort Enlils Tempel stand, Ekur, „das Berghaus”, in dem die Schicksalstafeln lagen.

Der Vater

Ein sumerischer Hymnus aus dem dritten Jahrtausend, den Ungnad übersetzt, redet ihn an, wie man einen Vater und einen Herrscher zugleich anredet: „Vater Enlil, Herr der Weisheit, des Landes selbstherrlicher Herrscher, Vater Enlil, Herr der Länder, Vater Enlil, Herr wahrer Rede, Vater Enlil, Hirt der schwarzköpfigen Menschen” — so nannten die Sumerer sich selbst —, „Herr, der Öl für das Volk, Milch für die Kinder reichlich gibt, Herr, der Frieden wohnen lässt, der die Stadt schützt” (1921, S. 196). Und dazwischen: „Lagernder Wildochs, Stier, der Zerstörung bringt.” Beides ist derselbe Gott; der Wind, der die Ernte reifen lässt, ist der Sturm, der sie umlegt.

Die Flut

Im Gilgamesch-Epos ist er der, der die Menschen vernichten will. Als die grossen Götter beschliessen, „einen Zyklon zu machen”, ist Enlil „ihr Berater” (Tafel XI, 14–18); Ea warnt Utnapischtim heimlich, und der soll seiner Stadt sagen, er müsse fort, weil „gegen mich Enlil Widerwillen gefasst hat” und er auf Enlils Erdboden nicht bleiben könne (39–41). Nach der Flut riecht Enlil das Opfer, sieht das Schiff und wird zornig, dass jemand entkommen ist; Ea hält ihm vor, er hätte lieber Löwen, Wölfe oder Hunger schicken sollen als die Flut — und Enlil geht ins Schiff, nimmt Utnapischtim und seine Frau bei der Hand und macht sie den Göttern gleich (166 ff.). Der Gott, der vernichten wollte, ist derselbe, der das ewige Leben gibt; die Babylonier haben das nicht als Widerspruch erzählt, sondern als Herrschaft.

Der Drache

Ein Bruchstück aus Assurbanipals Bibliothek zeigt ihn als Schöpfer eines Ungeheuers: Die Städte seufzen, „wer hat den Drachen geboren? Das Meer hat den Drachen geboren”, und „Enlil zeichnete am Himmel ein Gebilde: fünfzig Meilen war seine Länge, eine Meile seine Breite, sechs Ellen war sein Maul” — die Götter fürchten sich und suchen einen, der es tötet (S. 61). Der Text bricht ab; wer hier der Held ist, sagt er nicht mehr.

Die Krone

Als Babylon herrschte, herrschte Marduk, und das Weltschöpfungsgedicht überträgt Enlils Rolle auf ihn; in Ungnads Stammbaum der Götter steht Enlil mit einem Fragezeichen (S. 27). Die Assyrer taten dasselbe mit ihrem Assur. Enlil ist der Gott, der zweimal beerbt wurde — und dessen Titel „Enlil der Götter” die Erben trotzdem weiterführten, weil es keinen anderen für das gab, was er war.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
An
Partner (4)
Damgalnuna · Ereškigal · Ninḫursanga · Ninlil
Kinder (7, davon 0 im Register)
Adad · Namtaru · Nanna · Nergal · Ninurta · Nusku · Pabilsang
Gilt als dasselbe wie
Marduk (Mesopotamien)

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q214672.