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Mesopotamien · alle Gestalten

Marduk

𒀭𒀫𒌓 · Marduk; Bel, „der Herr"

Der Stadtgott von Babylon, der die Götter zum König machten, weil sein Wort ein Kleid vergehen und wieder entstehen liess — der Gott, der Tiamat spaltete und aus ihr Himmel und Erde baute.

Marduk mit dem Schlangendrachen Mušḫuššu — Zeichnung nach einem babylonischen Rollsiegel
Marduk mit dem Schlangendrachen Mušḫuššu — Zeichnung nach einem babylonischen RollsiegelFranz Heinrich Weißbach · Public domain · Wikimedia Commons

Marduk ist der Gott, den eine Stadt gross gemacht hat. Solange Babylon eine Kleinstadt war, war er ein Kleinstadtgott; als Hammurapi um 1750 v. Chr. das Land einte, wurde er der König der Götter — und das Weltschöpfungsgedicht ist, sagt Ungnad, geschrieben, um genau das zu begründen: Ein Dichter aus Babylon nahm die Schöpfungssagen von Uruk, Eridu und Nippur und „leitete alle Strahlen der älteren Dichtung auf Marduk” (1921, S. 25).

Das Kleid

Die Szene, die ihn zum König macht, ist keine Schlacht. Tiâmat hat ihr Heer gerüstet, Ea und Anu wagen den Kampf nicht, und Marduk, Eas Sohn, erklärt sich bereit — unter der Bedingung, dass sein Wort danach gilt wie das aller Götter zusammen. Die Götter versammeln sich, essen, trinken und prüfen ihn: Sie legen ein Kleid hin. „Auf deinen Befehl vergehe das Kleid jetzt! Gebiete dann wieder, dass neu es entstehe!” Er gebietet, das Kleid ist weg; er gebietet, es ist wieder da. „Als sahen die Götter die Kraft seines Wortes, da jubeln sie huldigend: Marduk ist König!” (Vierte Tafel, S. 40). Dann geben sie ihm Zepter, Thron, Waffe — und den Auftrag: „Wohlan nun, Tiâmats Leben vertilge!”

Die Herrschaft kommt vor dem Sieg, und sie wird nicht erkämpft, sondern bewiesen. Ein Gott, dessen Wort wirkt, ist König; das ist die ganze Theologie Babylons, und die Könige Babylons haben sie auf sich bezogen.

Tiâmat

Der Kampf selbst ist kurz: Marduk fängt Tiâmat im Netz, treibt ihr den Sturm in den offenen Rachen, dass sie ihn nicht schliessen kann, und schiesst den Pfeil hinein. Dann spaltet er sie „wie einen Fisch” und macht aus der einen Hälfte den Himmel, aus der anderen die Erde; er setzt die Sterne, den Mond, das Jahr, und aus dem Blut des Kingu, ihres Feldherrn, den Menschen — „zur Pflege der Götter sei er verpflichtet” (Vierte bis Sechste Tafel). Am Ende zählen die Götter seine fünfzig Namen auf (Siebente Tafel). Jedes Neujahr wurde das Gedicht in Babylon rezitiert; die Welt wurde jedes Jahr neu erschaffen, und Marduk jedes Jahr neu zum König.

Bel

Die Hymnen nennen ihn den „Herrn, der in seinem Grimm seinesgleichen nicht hat, Herrn, gnädigen König, Herrn der Länder”, „Licht der Menschen, Verteiler der Lose” — und im selben Atemzug den, der die Stürme fesselt, „sie anblickt und ihnen Gnade schenkt” (Ungnad 1921, S. 197). Sein Tempel Esagila und der Turm daneben, Etemenanki, waren die grössten Bauten Babylons; Herodot hat den Turm noch gesehen und beschreibt den Tempel des Bel — so nannten die Griechen ihn, „der Herr” — mit dem goldenen Sitzbild, dem Tisch und dem Altar (Historien 1,181–183). Als Kyros Babylon nahm und später Alexander, liessen beide sich als Könige von Marduks Gnaden feiern; wer Babylon regieren wollte, musste am Neujahrsfest die Hand des Bel ergreifen.

Als die Stadt verfiel, verfiel er mit ihr. Marduk ist der Gott, an dem man sehen kann, dass in Mesopotamien Theologie und Stadtpolitik dasselbe waren.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Ea
Mutter
Damgalnuna
Partner
Sarpanit
Kinder
Nabu
Gilt als dasselbe wie
Jupiter (Rom)
Gehört zu
babylonische Religion

Ein weiterer Gleichsetzungs-Verweis in Wikidata führt auf etwas, das keine Gestalt der erhobenen Welten ist, und wird hier nicht gezeigt.

Was den Namen weiterträgt

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q190123.