
Janus ist der Gott, der beweist, dass Rom eigene Götter hatte. Für Jupiter gab es Zeus, für Juno Hera, für Mars Ares, für Venus Aphrodite — für Janus gab es nichts. Die Griechen kannten keinen Gott des Anfangs und der Tür, und als die Römer ihre Götter griechisch erzählten, blieb er ohne Geschichte. Was wir über ihn wissen, stammt aus dem Kult und aus einem Gedicht.
Der Gott erklärt sich
Ovid hat es so gelöst: Er lässt Janus selbst kommen. Zu Beginn der Fasti, am ersten Tag des Jahres, erscheint dem Dichter der Gott mit den zwei Gesichtern, und Ovid fragt ihn, was die Griechen nie gefragt haben — wer er sei. Janus antwortet: Die Alten hätten ihn Chaos genannt; als sich die Elemente trennten, habe er Gestalt angenommen; er sei der Türhüter des Himmels, er öffne und schliesse, und deshalb sehe er nach beiden Seiten. Er sitze an der Tür jedes Hauses und am Anfang jeder Sache; jedes Opfer beginne mit ihm, damit er den anderen Göttern den Zugang öffne. Und der erste Monat heisse nach ihm, weil man ihn zuerst anrufe (Fasti 1,63–288). Ovid fragt weiter, warum man am Neujahrstag arbeite, warum man Datteln und Honig schenke, warum die Münzen sein Gesicht und ein Schiff zeigen; Janus beantwortet alles. Es ist die längste Rede eines Gottes in den Fasti, und sie gilt dem einzigen Gott, für den es keine andere Quelle gab.
Die Tore
Sein Heiligtum am Forum war kein Tempel, sondern ein Durchgang mit zwei Toren. Livius schreibt Numa den Bau zu und die Regel: geöffnet im Krieg, geschlossen im Frieden — und er zählt nach, wie oft sie seit Numa geschlossen waren: einmal nach dem ersten Punischen Krieg, und dann erst wieder unter Augustus, nach Actium (Livius 1,19). Zwei Male in sieben Jahrhunderten. Für Rom war Frieden nicht der Normalzustand, sondern das Ereignis, das man am Tor des Janus ablesen konnte.
Vergil hat die Tore in die Vorzeit zurückverlegt: Im siebten Buch der Aeneis öffnet Juno selbst, weil der König Latinus sich weigert, die „Tore des Krieges” — „hundert eherne Riegel, ewiges Eisen” —, und der Krieg zwischen Trojanern und Latinern beginnt (7,607–622). Der Brauch, so Vergil, sei älter als die Stadt.
Anfang und Übergang
Was Janus für die Römer war, sagt seine Stellung im Gebet: zuerst. Vor Jupiter, vor jedem anderen Gott wurde er angerufen, weil ohne ihn nichts beginnt. Er ist der Gott der Schwelle im wörtlichen Sinn — ianua ist die Haustür — und im übertragenen: der erste Tag, der erste Monat, der Anfang jeder Unternehmung. Die Römer haben keine Geschichten über ihn erzählt, weil er keine brauchte; er stand an jeder Tür.
Unten steht, was Wikidata über seine Verwandtschaft führt. Bei einem Gott, dessen Wesen es ist, keinen griechischen Zwilling zu haben, ist die kurze Liste die Auskunft.