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Rom · alle Gestalten

Janus

Ianus · Iānus; Ianus Geminus, Ianus Pater

Der Gott mit den zwei Gesichtern — Anfang, Tür und Übergang, dem der erste Monat gehört und dessen Tore nur im Frieden geschlossen waren. Der einzige grosse römische Gott ohne griechisches Gegenstück.

Janus mit zwei Gesichtern — Terrakotta, Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, Rom
Janus mit zwei Gesichtern — Terrakotta, Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, RomGiuseppe Savo · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Janus ist der Gott, der beweist, dass Rom eigene Götter hatte. Für Jupiter gab es Zeus, für Juno Hera, für Mars Ares, für Venus Aphrodite — für Janus gab es nichts. Die Griechen kannten keinen Gott des Anfangs und der Tür, und als die Römer ihre Götter griechisch erzählten, blieb er ohne Geschichte. Was wir über ihn wissen, stammt aus dem Kult und aus einem Gedicht.

Der Gott erklärt sich

Ovid hat es so gelöst: Er lässt Janus selbst kommen. Zu Beginn der Fasti, am ersten Tag des Jahres, erscheint dem Dichter der Gott mit den zwei Gesichtern, und Ovid fragt ihn, was die Griechen nie gefragt haben — wer er sei. Janus antwortet: Die Alten hätten ihn Chaos genannt; als sich die Elemente trennten, habe er Gestalt angenommen; er sei der Türhüter des Himmels, er öffne und schliesse, und deshalb sehe er nach beiden Seiten. Er sitze an der Tür jedes Hauses und am Anfang jeder Sache; jedes Opfer beginne mit ihm, damit er den anderen Göttern den Zugang öffne. Und der erste Monat heisse nach ihm, weil man ihn zuerst anrufe (Fasti 1,63–288). Ovid fragt weiter, warum man am Neujahrstag arbeite, warum man Datteln und Honig schenke, warum die Münzen sein Gesicht und ein Schiff zeigen; Janus beantwortet alles. Es ist die längste Rede eines Gottes in den Fasti, und sie gilt dem einzigen Gott, für den es keine andere Quelle gab.

Die Tore

Sein Heiligtum am Forum war kein Tempel, sondern ein Durchgang mit zwei Toren. Livius schreibt Numa den Bau zu und die Regel: geöffnet im Krieg, geschlossen im Frieden — und er zählt nach, wie oft sie seit Numa geschlossen waren: einmal nach dem ersten Punischen Krieg, und dann erst wieder unter Augustus, nach Actium (Livius 1,19). Zwei Male in sieben Jahrhunderten. Für Rom war Frieden nicht der Normalzustand, sondern das Ereignis, das man am Tor des Janus ablesen konnte.

Vergil hat die Tore in die Vorzeit zurückverlegt: Im siebten Buch der Aeneis öffnet Juno selbst, weil der König Latinus sich weigert, die „Tore des Krieges” — „hundert eherne Riegel, ewiges Eisen” —, und der Krieg zwischen Trojanern und Latinern beginnt (7,607–622). Der Brauch, so Vergil, sei älter als die Stadt.

Anfang und Übergang

Was Janus für die Römer war, sagt seine Stellung im Gebet: zuerst. Vor Jupiter, vor jedem anderen Gott wurde er angerufen, weil ohne ihn nichts beginnt. Er ist der Gott der Schwelle im wörtlichen Sinn — ianua ist die Haustür — und im übertragenen: der erste Tag, der erste Monat, der Anfang jeder Unternehmung. Die Römer haben keine Geschichten über ihn erzählt, weil er keine brauchte; er stand an jeder Tür.

Unten steht, was Wikidata über seine Verwandtschaft führt. Bei einem Gott, dessen Wesen es ist, keinen griechischen Zwilling zu haben, ist die kurze Liste die Auskunft.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Caelus · Saturn
Mutter
Entoria · Hekate
Partner
Iuturna · Venília
Kinder
Canens (Mythologie) · Crano · Fons
Zuständig für (8)
Anfang · Dualismus · Flur · Saat · Tor · transition · Türöffnung · Zeit

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q167685.