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Vesta

Vesta · Vesta; griechisch Hestia

Der Herd der Stadt — die Göttin ohne Bild, deren Feuer nie erlöschen durfte und deren Priesterinnen die einzigen Frauen mit Amt in Rom waren.

Vesta — Darstellung aus Rom
Vesta — Darstellung aus RomPublished by Guillaume Rouille (1518?-1589) · Public domain · Wikimedia Commons

Ovid gesteht in den Fasti einen Irrtum ein: „Lange glaubte ich töricht, es gebe Bilder der Vesta; dann erfuhr ich, unter dem gewölbten Dach stehe keines.” Was im Tempel ist, ist das Feuer — „ein Feuer, das nicht stirbt, wohnt in dem Tempel, und Vesta hat kein Bild, so wenig wie das Feuer eines hat” (Fasti 6,249–318). Vesta ist die einzige der grossen Götter Roms, die man nicht anschauen konnte. Sie ist der Herd.

Das Feuer

Ovid erklärt auch, warum der Tempel rund ist: Vesta sei die Erde, und die Erde sei eine Kugel, die in der Mitte des Alls hängt; die Form des Tempels bilde das ab. Und er erklärt den Namen: Vesta stehe — stat vi, sie steht durch ihre Kraft. Die Etymologie ist falsch, die Anschauung richtig: Vesta ist das, was bleibt, wenn alles andere sich bewegt. Ihr Feuer wurde jedes Jahr am ersten März neu entzündet, und wenn es aus Nachlässigkeit erlosch, wurde die schuldige Vestalin vom Pontifex ausgepeitscht.

Woher das Feuer kam, sagt Vergil: In der Nacht, in der Troja fällt, erscheint Hektor dem Aeneas im Traum, blutig, und übergibt ihm „die Heiligtümer und die Penaten, Vesta die Mächtige und das ewige Feuer aus dem Innersten” (Aeneis 2,293–297). Das Feuer im Tempel am Forum war in dieser Vorstellung dasselbe, das in Troja gebrannt hatte. Eine Stadt trägt ihren Herd mit, wenn sie umzieht.

Die Vestalinnen

Livius schreibt Numa zu, die Priesterinnen aus Alba Longa nach Rom geholt zu haben, „wo diese Einrichtung schon bestand”; er habe ihnen Sold aus der Staatskasse gegeben und sie durch Jungfräulichkeit und andere Vorschriften „ehrwürdig und heilig” gemacht (Livius 1,20). Sechs Frauen, als Kinder ausgewählt, dreissig Jahre im Dienst, mit Rechten, die keine andere Römerin hatte — sie durften über Vermögen verfügen, ein Todeskandidat, dem sie begegneten, war begnadigt —, und einer Strafe, die kein anderer kannte: Wer ihre Keuschheit brach, wurde lebendig begraben.

Was sie der Stadt bedeuteten, zeigt Livius beim Einfall der Gallier. Als die Stadt verloren ist, packen die Vestalinnen die Heiligtümer, tragen, was sie tragen können, und vergraben den Rest; auf dem Weg nach Caere begegnet ihnen ein Plebejer namens Albinius, der seine Familie auf einem Wagen aus der Stadt bringt — er lässt Frau und Kinder absteigen und fährt die Priesterinnen mit den Heiligtümern (Livius 5,40). Der Herd der Stadt war wichtiger als das eigene Haus; das ist die Auskunft, die diese Szene geben soll, und Livius weiss, dass sie wichtiger ist als die Schlacht.

Hestia

Die Griechen hatten sie auch, als Hestia — die Schwester des Zeus, die erste Verschlungene und die Göttin, von der es fast keine Geschichten gibt, weil sie nie den Herd verlässt. Rom hat aus derselben Anschauung eine Institution gemacht: einen Tempel, eine Priesterschaft, ein Feuer, das die Republik und das Kaisertum überdauerte, bis Theodosius es 394 löschen liess. Wikidata setzt beide gleich, unten steht es. Was sie unterscheidet, ist nicht das Wesen, sondern dass Rom es ernst genommen hat.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Saturn
Mutter
Ops
Gilt als dasselbe wie
Anukis (Ägypten) · Hestia (Griechenland)
Zuständig für
Familie · Herd · Wohnsitz
Gehört zu
Dei Consentes

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q178710.