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Griechenland · alle Gestalten

Demeter

Δημήτηρ · Dēmḗtēr

Die Göttin des Getreides, die ihre Tochter suchte und die Erde verhungern liess — und die in Eleusis den Menschen Weihen gab, von denen keiner sprach.

Demeter — Marmor, Archäologisches Nationalmuseum Venedig
Demeter — Marmor, Archäologisches Nationalmuseum VenedigDidier Descouens · Public domain · Wikimedia Commons

Ihr Name enthält die Mutter — mḗtēr — und einen ersten Teil, über den man sich seit der Antike streitet: die Erde, sagen die einen, das Getreide die anderen. Beides passt. Demeter ist die Göttin dessen, was aus dem Boden wächst und die Menschen ernährt, und Hesiod sagt in vier Versen, was das für die Griechen hiess: Sie lag mit Iasion auf dem dreimal gepflügten Feld, und sie gebar Plutos, den Reichtum (Theogonie 969–974). Reichtum ist bei Hesiod kein Gold. Er ist ein Acker.

Die Suche

Die grosse Erzählung über sie steht im Homerischen Hymnus, und sie beginnt dort, wo die des Hades endet: Persephone ist geraubt, und Demeter hört den Schrei. Neun Tage irrt sie mit Fackeln über die Erde, ohne zu essen, ohne sich zu waschen; am zehnten sagt Helios ihr die Wahrheit — Zeus habe die Tochter dem Bruder gegeben, und das sei doch keine schlechte Partie (Hymnus 2, 90–304). Demeter verlässt darauf den Olymp und geht, als alte Frau verkleidet, unter die Menschen.

In Eleusis nehmen die Töchter des Königs sie auf, und sie wird Amme des kleinen Demophon. Nachts hält sie ihn ins Feuer, um ihn unsterblich zu machen; die Mutter sieht es, schreit, und die Göttin lässt den Knaben fallen und gibt sich zu erkennen: „Unwissende Menschen, die ihr nicht wisst, ob Gutes oder Schlechtes auf euch zukommt!” Sie verlangt einen Tempel, und Eleusis baut ihn.

Der Hunger

Dann tut sie das, was keine andere Gottheit der Griechen tut: Sie stellt die Welt ab. Ein Jahr lang lässt sie kein Korn aufgehen, die Ochsen ziehen die Pflüge umsonst, die Menschen beginnen zu verhungern — und die Götter bekommen keine Opfer mehr. Erst das bringt Zeus zum Einlenken; er schickt Iris, dann alle Götter mit Geschenken, und Demeter sagt zu allen nein, bis die Tochter zurück ist (305–333). Die Göttin des Getreides ist die einzige, die den Olymp erpressen kann, weil die Götter vom Rauch der Opfer leben. Der Vertrag, der folgt — ein Drittel des Jahres unten —, ist ihr Sieg, und der Winter ist der Preis.

Eleusis

Bevor sie zurückkehrt, zeigt Demeter den Königen von Eleusis ihre Weihen, „die man nicht übertreten, nicht erforschen, nicht aussprechen darf; die grosse Scheu vor den Göttern hält die Stimme zurück. Selig, wer von den Menschen auf Erden das gesehen hat; wer aber ungeweiht ist und keinen Anteil hat, dem wird nie das Gleiche zuteil, wenn er tot ist, drunten im modrigen Dunkel” (473–482). Das ist der Satz, der das griechische Totenreich verändert hat: Zum ersten Mal hängt das Los nach dem Tod von etwas ab, das man im Leben tun kann.

Was in Eleusis geschah, hat nie jemand aufgeschrieben. Pausanias, der sonst alles beschreibt, bricht am Heiligtum ab: Ein Traum habe ihm verboten, das Innere zu schildern, „und was die Ungeweihten nicht sehen dürfen, dürfen sie natürlich auch nicht erfahren” (1,38). Tausend Jahre lang gingen die Griechen im Herbst nach Eleusis, und das Geheimnis hat gehalten. Herodot glaubte, die Thesmophorien, das andere Fest der Demeter, hätten die Töchter des Danaos aus Ägypten mitgebracht (2,171) — die Griechen selbst hielten ihre Göttin des Getreides für älter als Griechenland.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Kronos
Mutter
Rhea
Partner
Karmanor · Poseidon · Zeus
Kinder (11, davon 6 im Register)
Amphitheus · Areion · Calligeneia · Chrysothemis · Despoina · Dmia · Eubuleus · Hekate · Persephone · Philomelos · Plutos
Gilt als dasselbe wie
Ceres (Rom)
Zuständig für
Boden · Fruchtbarkeit · Landwirtschaft
Gehört zu
Olympische Götter

Was den Namen weiterträgt

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q40730.