sagenwelt

Mesopotamien · alle Gestalten

Ea

𒀭𒂗𒆠 · dEN.KI — sumerisch Enki, akkadisch Ea

Der Gott des Süsswassers unter der Erde und der Klügste unter den Göttern: Er besiegt den Urvater Apsu, formt den Menschen aus Lehm, verrät der Rohrhütte die Flut — und steht am Ende dem Enlil gegenüber und fragt, wie man nur so unüberlegt sein konnte.

Enki mit den Wasserströmen, die aus seinen Schultern fliessen — moderne Nachbildung eines Ausschnitts aus dem Adda-Siegel, um 2300 v. Chr.
Enki mit den Wasserströmen, die aus seinen Schultern fliessen — moderne Nachbildung eines Ausschnitts aus dem Adda-Siegel, um 2300 v. Chr.Unknown author · Public domain · Wikimedia Commons

Unter der Erde, so dachten die Babylonier, liegt ein Meer aus Süsswasser, der Apsu; aus ihm kommen die Quellen und Brunnen. Sein Herr ist Ea, „der Wassergott Enki oder Ea” von Eridu, der ältesten Stadt (Ungnad S. 12). Und weil das Wasser unter allem ist und überall hinkommt, ist Ea der Gott, der alles weiss. In jeder Geschichte, die die Babylonier erzählten, ist er der, der einen Ausweg findet — auch dort, wo die anderen Götter keinen sehen.

Apsu

Im Weltschöpfungsepos ist der Apsu nicht nur Wasser, sondern der Urvater selbst, der mit Tiamat, dem Salzmeer, die ersten Götter zeugte und sie dann vernichten will, weil sie ihm zu laut sind. Die Götter „werden von grosser Furcht ergriffen, als sie den Anschlag der Chaosmächte erfahren. Nur ein Gott weiss Rat, Ea, der klügste unter ihnen, dem es gegeben ist, mit ‚reiner Beschwörungsformel’ alle bösen Gewalten zu besiegen. Auch jetzt gelingt es ihm, Apsu und Mummu zu überwältigen und zu fesseln” (S. 28). Er baut auf dem gefesselten Apsu seine Wohnung. Was folgt, ist die Rache der Tiamat, und da versagt Ea: „Doch Ea erfuhr, was klug sie geknüpfet … Da setzt er sich traurig, von Schmerzen geängstigt” (S. 30). Er, der den Vater bezwang, wagt den Kampf mit der Mutter nicht; „auch Ea war furchtsam und wandte zurück sich” (S. 35). Den Sieg überlässt er seinem Sohn Marduk.

Lehm

Ein anderer Text aus Babylon macht ihn zum Schöpfer der Menschen und ihrer Arbeit: „Als Anu den Himmel geschaffen, Ea den Ozean, seine Wohnstätte, geschaffen, kniff Ea im Ozean Lehm ab: schuf den Ziegelgott zur Erneuerung der Häuser, schuf Röhricht und Wald zur Bauarbeit, schuf den Zimmermannsgott, den Schmiedegott …” (S. 53). Der Mensch ist bei Ea nicht Krone der Schöpfung, sondern ein Handwerker unter Handwerksgöttern, aus demselben Lehm.

Und Ea gibt dem Menschen Weisheit, aber nicht das Leben: Adapa, „der Sohn des Meergottes Ea”, hat „Klugheit und Weisheit … doch ewiges Leben hatte er ihm nicht gegeben” (S. 127). Als Adapa vor Anu geladen wird, warnt ihn Ea vor der Todesspeise des Himmels — und Anu bietet ihm die Lebensspeise. Adapa lehnt ab, „im Vertrauen auf Eas Warnung, und verliert so die Unsterblichkeit” (S. 127). Ob Ea sich geirrt hat oder gewollt hat, dass der Mensch sterblich bleibt, sagt der Text nicht. Es ist die babylonische Fassung der Frage, warum wir sterben, und sie hat keine Schlange, nur einen Rat.

Die Rohrhütte

Am bekanntesten ist sein Verrat. Als die Götter die Flut beschliessen, darf kein Mensch es wissen; Ea sagt es der Wand eines Hauses: „Rohrhütte, Rohrhütte, Wand, Wand” — und der Mann dahinter, Utnapischtim, hört es. „Ich begriff und sage zu Ea, meinem Herrn: ‚Einverstanden bin ich, mein Herr, mit dem, was du da sagst … Was aber sollte ich wohl sagen der Stadt, dem Volk und den Ältesten?’” (Gilgamesch XI 32–35). Ea gibt ihm eine Lüge mit. Und als nach der Flut Enlil wütend fragt, wer da überlebt hat, spricht ein Gott für Ea: „Wer kann wohl ausser Ea etwas planen; Ea versteht ja doch jedwede Sache!” (XI 178–179). Ea selbst antwortet dem Enlil: „Du Weiser unter den Göttern, Held, wie konntest du nur unüberlegt einen Zyklon machen!” (XI 182–183). Der Gott des Wassers ist der Einzige, der das Wasser nicht gewollt hat. Die ganze Geschichte steht unter Flut.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Partner
Ninḫursanga
Kinder (4, davon 1 im Register)
Asalluḫi · Gibil · Nanše · Ningal
Zuständig für
Eridu
Gehört zu
Inanna und Enki

3 weitere Gleichsetzungs-Verweise in Wikidata führen auf Gestalten anderer Welten oder auf Dinge, die keine Gestalten sind, und werden hier nicht gezeigt.

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q189726.