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Ägypten · alle Gestalten

Geb

𓎼𓃀𓅬 · Gb; bei Erman noch „Keb"

Der Erdgott, der unter dem Himmel liegt und über dem Nil: Vater des Osiris, Richter im Streit um dessen Thron — und der, dem am Ende gehört, was wächst.

Geb mit der Gans, dem Zeichen seines Namens, auf dem Kopf — Umzeichnung nach ägyptischen Darstellungen
Geb mit der Gans, dem Zeichen seines Namens, auf dem Kopf — Umzeichnung nach ägyptischen DarstellungenDaniel Toye · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

In den meisten Religionen ist die Erde weiblich und der Himmel männlich. Die Ägypter haben es umgekehrt: Der Himmel ist Nut, die sich mit dem Leib über die Welt wölbt, und die Erde ist Geb, ihr Bruder und Mann, der unter ihr liegt; zwischen beiden steht Schu, die Luft — wie, steht bei Nut. Das ist die Neunheit von Heliopolis: „Schu und Tefnet, Keb und Nut und die Geschwister Osiris, Seth, Isis und Nephthys” (Erman S. 29, Anm. 5) — Geb ist die dritte Generation nach dem Sonnengott und der Vater der vierten.

Der Vater des Königs

Vor allem ist er das: der Vater. „Er war der Sohn des Erdgottes Keb und der Himmelsgöttin Nut und folgte seinem Vater als König von Ägypten”, fasst Erman den Osiris-Mythos zusammen (S. 187). Das Königtum geht von Geb auf Osiris über, und von Osiris — nach Mord und Streit — auf Horus. Ein Hymnus des Neuen Reiches nennt Osiris „gelobt von seinem Vater Keb und von seiner Mutter Nut geliebt” und „den Erben des Keb im Königtume der beiden Länder. Er sah, wie trefflich er war und er vertraute es ihm an, die Länder zum Glücke zu leiten” (S. 189). Wer in Ägypten König war, war es als Erbe dieser Linie; der lebende König war Horus, der tote Osiris, und über beiden stand der Erdgott als der, der das Erbe vergibt.

Die Halle des Keb

Deshalb ist Geb auch der Richter. Als Horus und Seth um den Thron streiten, sitzt das Gericht in seinem Haus: „Man setzte sich in die Halle des Keb, um das Amt seinem Herrn zu verleihen und das Königtum dem, dem es gegeben werden soll. Man fand, dass die Rede des Horus wahr war und gab ihm das Amt seines Vaters. Er ging heraus, gekrönt nach dem Befehle des Keb, er ergriff die Herrschaft der beiden Ufer und die Krone sass fest auf seinem Haupte” (S. 191). Und weiter, an Osiris gerichtet: „Freue dich, Wen-nofre! der Sohn der Isis hat die Krone ergriffen. Das Amt seines Vaters ist ihm in der Halle des Keb übergeben. Re, der spricht und Thoth, der schreibt und das Gericht stimmt bei; dein Vater Keb hat für dich befohlen und man tut, wie er es gesagt hat” (S. 192). Der Sonnengott spricht, der Schreibergott schreibt, aber der Befehl kommt vom Erdgott.

Was wächst

Schon die Pyramidentexte lassen ihn den toten König geleiten: „Keb ist es, der ihn bei seiner Hand nimmt und ihn in die Tore des Himmels leitet” (S. 34) — die Erde, die den Toten aufnimmt, ist zugleich der Vater, der ihn hinaufführt. Und in einem Gedicht auf Theben aus dem Neuen Reich gehört dem Gott der Stadt „allein, was Keb wachsen lässt” (S. 366): Alles, was aus dem Boden kommt, ist Gebs. Plutarch, viel später, erzählt die Geburt seiner fünf Kinder an den fünf Tagen, die Hermes dem Mond im Brettspiel abgewann — unter griechischen Namen, Rhea für die Mutter und Kronos für den Vater (Plutarch § 12). Die Griechen haben den alten Erdgott mit ihrem alten Himmelsgott verglichen; die Ägypter hätten es wohl umgekehrt getan.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Schu
Mutter
Tefnut
Partner
Nut
Kinder (4, davon 4 im Register)
Isis · Nephthys · Osiris · Seth
Gehört zu
ägyptische Mythologie

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q168444.