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Ägypten · alle Gestalten

Nephthys

𓉠 · Nbt-ḥwt, „Herrin des Hauses"; griechisch Néphthys

Die Schwester der Isis, die Frau des Seth und die Mutter des Anubis: eine Göttin, die fast nie allein vorkommt — und deren Rolle es ist, hinter der Gebärenden und neben der Klagenden zu stehen.

Nephthys mit dem Zeichen ihres Namens auf dem Kopf — Korb und Haus, „Herrin des Hauses" —, Umzeichnung nach ägyptischen Darstellungen
Nephthys mit dem Zeichen ihres Namens auf dem Kopf — Korb und Haus, „Herrin des Hauses" —, Umzeichnung nach ägyptischen DarstellungenJeff Dahl · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Die Ägypter haben ihre Götter gern in Gruppen gedacht, und die grösste Gruppe ist die Neunheit von Heliopolis: der Sonnengott und die acht, die nach der gewöhnlichen Sage „dessen Kinder, Enkel und Urenkel sind: Schu und Tefnet, Keb und Nut und die Geschwister Osiris, Seth, Isis und Nephthys” (Erman S. 29, Anm. 5). Nephthys ist die Letzte dieser Reihe, und sie bleibt es: Sie hat keinen eigenen Mythos, keine eigene Stadt von Rang, kaum einen Hymnus. Sie kommt vor, wo ihre Schwester vorkommt.

Hinter der Gebärenden

Im Papyrus Westcar, einer Erzählung des Mittleren Reiches, schickt Re die Göttinnen, drei künftige Könige zur Welt zu bringen: „Da sagte die Majestät des Re von Sachebu zu Isis, Nephthys, Mesechent, Heket und Chnum: ‚Auf, gehet und entbindet die Red-dedet von den drei Kindern, die in ihrem Leibe sind’” (Erman S. 73). Als Musikantinnen verkleidet treten sie ein und schliessen die Kammer: „Isis stellte sich vor sie und Nephthys hinter sie und Heket beschleunigte die Geburt” (S. 74). Der Satz ist die ganze Göttin. Isis vorn, wo das Kind kommt und der Name gesprochen wird; Nephthys hinten, wo die Gebärende gehalten wird.

Die Frau des Seth

Was sie sonst ist, erzählt erst Plutarch, ein Grieche, der die ägyptischen Geschichten für Leser seiner Zeit sammelte. Nach ihm wurden die fünf Kinder der Rhea an den fünf Tagen geboren, die Hermes dem Jahr abgewonnen hatte, und „am fünften Nephthys, der sie den Namen ‚Ende’ geben und den Namen Aphrodite, manche auch den Namen Sieg” (Plutarch § 12). Sie ist die Frau des Typhon — so nennt Plutarch den Seth. Und sie ist die Mutter des Anubis, aber nicht von ihrem Mann: Osiris „habe unwissend mit ihr verkehrt, weil er sie für Isis hielt”; Nephthys setzte das Kind aus Furcht vor Typhon aus, und Isis suchte es und fand es „mit Hilfe von Hunden”, zog es auf, und es wurde „ihr Wächter und Begleiter und erhielt den Namen Anubis” (§ 14). Plutarch deutet die Sache auch, wie er alles deutet: Der Nil, der „mit überströmenden Wassern bis zu denen dringt, die an den äussersten Rändern wohnen, das nennen sie die Vereinigung des Osiris mit Nephthys” (§ 38) — der fruchtbare Schlamm, der bis an die Grenze des Wüstenlandes reicht, das ihr Mann ist. Ob die Ägypter des Alten Reiches das so gesehen haben, sagt er nicht.

Was von ihr bleibt, ist die Stellung, nicht die Geschichte: die zweite Frau am Bett, die zweite Klagende am Sarg, die Schwester, die hinter der Schwester steht. Wer die Klage der beiden lesen will, findet sie bei Isis; den Ehemann bei Seth; den Sohn bei Anubis.

Verwandtschaft und Zuständigkeit

Aus Wikidata, Stand des Bestands. Die Zahl ist kein Bedeutungsmass: sie sagt, was eingetragen ist. Grau steht, was nicht zum Register der 4 erhobenen Welten gehört — Heroen, Menschen, Orte.

Vater
Geb
Mutter
Nut
Partner
Osiris · Seth
Kinder
Anubis
Zuständig für
Bestattungsritus
Gehört zu
ägyptische Mythologie · Neunheit von Heliopolis

Quellen

Die Stellen, auf denen der Text oben steht. Was nicht belegt ist, steht nicht da. Der Registereintrag dieser Gestalt: Q169040.