
Hephaistos ist der einzige Olympier, der arbeitet. Die anderen essen, streiten und schauen zu; er steht am Blasebalg. Der kurze Hymnus an ihn sagt, warum das ein Grund zur Verehrung ist: Zusammen mit Athene habe er „den Menschen auf der Erde herrliche Werke gelehrt, die zuvor in Höhlen auf den Bergen wohnten wie die Tiere; jetzt aber, da sie die Künste gelernt haben, leben sie leicht das ganze Jahr in ihren Häusern” (Hymnus 20). Der Schmied ist der Gott dessen, was Menschen aus der Natur machen.
Der Sturz
Hesiod sagt, Hera habe ihn allein geboren, aus Zorn auf Zeus, „ohne sich in Liebe zu vereinen” — und er sei unter allen Himmlischen der Kunstfertigste (Theogonie 927–929). Homer lässt ihn selbst erzählen, was ihm die Eltern antaten: Als er der Mutter einmal helfen wollte, packte Zeus ihn am Fuss und warf ihn vom Olymp; einen ganzen Tag fiel er, und mit Sonnenuntergang schlug er auf Lemnos auf, „und wenig Leben war noch in mir” (Ilias 1,586–594). Seither hinkt er. Dass er hinkt, ist in den Gedichten Anlass zum Lachen — die Götter lachen „unauslöschlich”, als er beim Mahl herumhumpelt (1,599–600) — und zugleich das, was ihn menschlich macht: Er ist der Gott, dem etwas fehlt.
Der Schild
Das achtzehnte Buch der Ilias zeigt seine Werkstatt. Thetis kommt und bittet um Waffen für Achilleus; Hephaistos, der ihr sein Leben verdankt — sie hat ihn nach dem Sturz aufgenommen —, geht an die zwanzig Blasebälge, und goldene Dienerinnen, die er selbst gemacht hat, „lebenden Mädchen gleich, mit Verstand und Stimme”, stützen ihn (Ilias 18,368–420). Dann macht er den Schild, und Homer beschreibt ihn hundertfünfzig Verse lang: Erde, Himmel und Meer, Sonne, Mond und die Sternbilder; zwei Städte, eine im Frieden mit Hochzeit und Gericht, eine im Krieg mit Hinterhalt; Pflügen, Ernte, Weinlese, Rinder und ein Löwe, Schafe, ein Tanzplatz, und um alles herum den Okeanos (18,478–608). Es ist die ganze Welt der Griechen, geschmiedet von dem Gott, der sie am wenigsten geniesst.
Das Netz
In der Odyssee singt der Sänger der Phäaken, wie Hephaistos seine Frau Aphrodite mit Ares ertappte. Helios hat es ihm gemeldet; er schmiedet in der Werkstatt ein Netz, fein wie Spinnweb, spannt es über das Bett und tut, als reise er nach Lemnos. Die beiden legen sich hin, das Netz fällt, und Hephaistos ruft alle Götter zusammen, sie anzuschauen — die Göttinnen bleiben aus Scham weg, die Götter kommen und lachen, und Hermes sagt, er würde es gern in dreifachen Fesseln neben der goldenen Aphrodite aushalten. Poseidon bürgt für die Busse, und Hephaistos lässt sie los (Odyssee 8,266–366). Der betrogene Ehemann als Erfinder: Er gewinnt nicht die Frau zurück, sondern das Lachen auf seine Seite.
Athen hat ihn neben Athene gestellt, mit einem Tempel über der Agora, der bis heute steht — dem am besten erhaltenen Tempel Griechenlands, für den Gott der Handwerker, in der Stadt der Handwerker. Rom nannte ihn Vulcanus; unten steht es.