
Aphrodite hat zwei Geburten, und die Griechen haben nie entschieden, welche gilt. Bei Hesiod entsteht sie aus dem Meer: Als Kronos den Uranos entmannt und das Glied ins Meer wirft, bildet sich um es weisser Schaum, „und darin wuchs ein Mädchen heran”, das bei Kythera vorbeitrieb und auf Zypern an Land ging, „und Gras wuchs unter ihren zierlichen Füssen” — Aphrodite, die Schaumgeborene, und Eros und Himeros gehen neben ihr her (Theogonie 188–206). Bei Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, und als Diomedes sie verwundet, flieht sie zur Mutter in den Olymp (Ilias 5,370–417). Die eine Aphrodite ist älter als Zeus, die andere sein Kind. Wikidata führt beide Herkünfte, unten stehen sie.
Die Macht
Der Homerische Hymnus an sie beginnt mit einer Ausnahmeliste: Aphrodite, „die in den Göttern süsses Verlangen weckt und die Geschlechter der sterblichen Menschen bezwingt, die Vögel und alle Tiere” — nur drei kann sie nicht überreden: Athene, Artemis und Hestia (Hymnus 5, 1–44). Alle anderen, Zeus eingeschlossen, hat sie „mit sterblichen Frauen zusammengebracht, ohne dass Hera es wusste”.
Deshalb, sagt der Hymnus, hat Zeus ihr Verlangen nach einem Sterblichen eingegeben, damit sie nicht länger prahlen könne. Sie sieht Anchises, den Hirten auf dem Ida, kleidet sich in Zypern, geht zu ihm in Gestalt eines Mädchens und erzählt ihm, sie sei eine phrygische Königstochter, die Hermes hierhergebracht habe. Anchises glaubt es — „wenn du sterblich bist, will ich dich zur Frau” — und erst danach zeigt sie sich in ihrer Grösse und sagt ihm, er werde einen Sohn haben, Aeneas, und dürfe nie sagen, wessen Sohn er sei (45–291). Von dieser Nacht stammt Rom.
Der Schmerz
Die Ilias zeigt, was diese Göttin nicht kann: kämpfen. Als Diomedes ihren Sohn Aeneas bedrängt, wirft sie sich dazwischen, und der Grieche stösst ihr den Speer in die Hand; Ichor fliesst, sie schreit auf und lässt den Sohn fallen. Diomedes ruft ihr nach, sie solle sich vom Krieg fernhalten — „genügt es dir nicht, schwache Frauen zu betören?” Im Olymp tröstet Dione sie, und Zeus lächelt: „Dir sind nicht die Werke des Krieges gegeben, Kind; kümmere dich um die lieblichen Werke der Hochzeit” (Ilias 5,311–430). Die Göttin, der kein Gott widersteht, ist im Krieg die Verwundbarste.
Und einmal widersteht ihr ein Mensch — für einen Moment. Als sie Helena nach dem Zweikampf zu Paris ins Bett schicken will, antwortet Helena: „Geh und sitz du bei ihm, verlass die Wege der Götter, sei seine Frau oder seine Sklavin!” Aphrodite droht, und Helena geht (Ilias 3,383–420). Das ist das ganze Verhältnis: Man kann ihr sagen, was man von ihr hält. Man tut trotzdem, was sie will.
Kythera, Zypern, Rom
Ihre Inseln sind die, an denen der Schaum vorbeitrieb; in Paphos auf Zypern stand ihr grösster Tempel. Die Römer nannten sie Venus und machten aus der Nacht mit Anchises die Herkunft ihres Kaiserhauses — die Venus-Seite dieser Fläche erzählt es. Und die Griechen selbst haben in Ischtar und Astarte ihre Aphrodite erkannt, die aus dem Osten über das Meer kam; Wikidata führt die Gleichsetzungen unten.